ttt – titel thesen temperamente
Kultur (D 2026)
Freiheit der Kunst in Gefahr? Die kulturpolitische Front in Sachsen-Anhalt: Eine "neue, patriotische Kulturpolitik" hat die AfD Sachsen-Anhalt auf ihrem Landesparteitag in ihrem Regierungsprogramm für die Landtagswahlen am 6. September beschlossen. Sie will Patriotismus fördern und "kein Staatsgeld für antideutsche Kunst und Kultur" ausgeben. Jetzt haben sich ca. 27 Kulturinstitutionen, von der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt bis zum Theater Magdeburg, in einer gemeinsamen Stellungnahme an die Öffentlichkeit gewandt und warnen vor einer "nationalistisch ausgerichteten" Kulturpolitik in Sachsen-Anhalt. Sie sehen die Freiheit und Unabhängigkeit der Kunst in Gefahr. "ttt" mit Stimmen über die kulturpolitische Auseinandersetzung in Sachsen-Anhalt. / Zwischen Megajacht und Machtpolitik – wie Amerikas Superreiche ihre eigene Welt bauen: Der amerikanische Journalist Evan Osnos liefert in seinem Buch "Yacht oder nicht Yacht" Einblicke in die Welt der Ultrareichen. Es ist eine Welt, in der das größte Problem zu sein scheint, wo man seinen exzessiven Reichtum parken kann. Waren es vor einigen Jahrzehnten noch Kunstwerke von Picasso und van Gogh, so sind es jetzt Megajachten: Boote, die fast schon an Kriegsschiffe erinnern und deren Preis die 500 Millionen Dollar Marke locker überschreitet. Osnos, der seit fast 20 Jahren für die Zeitschrift "The New Yorker" schreibt, liefert ein spannendes und unterhaltsames Buch über eine normalerweise unzugängliche Elite. Aber sein Buch ist nicht nur anekdotisch. Nie zuvor, schreibt Osnos, war die Ungleichheit in den USA so massiv wie heute. Dazu kommt, dass die Ultrareichen sich mit ihrem Geld Einfluss in der Politik erkaufen. Das war zwar schon immer so, aber die unter Trump völlig schamlos gewordene Verbindung von Macht und Geld scheint sich mittlerweile komplett von jeglichen Wertesystemen abgekoppelt zu haben. Selbst der Irankrieg und die damit verbundenen wirtschaftlichen Probleme scheinen die Ultrareichen nicht zu tangieren. Kann eine solche Gesellschaft Bestand haben? Warum wehren sich die Amerikaner nicht gegen die zunehmende Ungleichheit? Und was bedeutet die Entwicklung in den USA für Deutschland und Europa? "ttt" hat Evan Osnos in München getroffen. (Autorin: Petra Böhm) / "Nachbeben" – Packendes Film-Drama über Retten und Scheitern im Klinikalltag: Alexandra (Özlem Saglanmak) ist erfahrene Neurologin an der Stroke-Unit eines Krankenhauses. Jeden Morgen kämpft sie gegen die Uhr: Notfälle, Schlaganfallpatienten, MRTs, Ausfall von IT-Systemen auf Station, zu wenig Pflegepersonal. Sie trifft routiniert Entscheidungen im Minutentakt. Stress, Überarbeitung und Schlafmangel muss sie kontinuierlich ausblenden. Ihr Job ist es, Leben zu retten. Den Ausnahmezustand managt Alexandra professionell. Bis der 18-jährige Oliver eingeliefert wird. Eine Tragödie bahnt sich an. Alexandra muss sich verzweifelten Angehörigen stellen, aber auch den eigenen Zweifeln. "Nachbeben", das Spielfilm-Debüt der dänischen Regisseurin Zinnini Elkington, basiert auf vielen authentischen Geschichten aus dem Klinikalltag. Der international ausgezeichnete Film blickt intensiv auf die immense Verantwortung der Menschen in medizinischen Berufen. Die Schwester der Regisseurin ist selbst Ärztin, ihre Erfahrungen und jahrelange Recherchen flossen in Elkingtons Drehbuch mit ein. Was passiert, wenn medizinisches Personal mit den eigenen Grenzen konfrontiert wird? Was sind die emotionalen Nachwirkungen, wenn Irrtümer passieren oder Patienten nicht gerettet werden können? "Nachbeben" seziert hautnah und hochemotional die seelischen Kosten eines überlasteten Gesundheitssystems. Und fragt, wie viel Kontrolle wir über das Leben haben können. (Autorin: Brigitte Kleine) – Der Mann hinter den Ikonen: Erste Biografie des Exil-Fotografen Fred Stein Hannah Arendt mit Zigarette, Thomas Mann am Schreibtisch, der lächelnde Einstein, Brecht im Profil. Diese Aufnahmen sind weltberühmt, ihr Fotograf ist weitgehend unbekannt. Fred Stein. Meister der Porträtfotografie, seine Bilder ein wahres Who's who des 20. Jahrhunderts. In der ersten Biografie über den aus Dresden stammenden jüdischen Fotografen Fred Stein zeichnet Historiker Daniel Siemens Leben und Leistungen des Manns hinter der Kamera nach. 1933 flieht der jüdische Jurist mit Frau Lilo unter dem Vorwand einer Hochzeitsreise ins Exil: von Dresden nach Paris, später nach New York. Die gebrauchte Leica, die das Paar kauft, ist dabei erst der Anfang. In drei Jahrzehnten lichtet Stein über 1000 Künstler, Politiker und Prominente ab. Seine Porträts und Straßenszenen erzählen von Würde, Menschlichkeit, politischen Kämpfen – und einer Welt, die dem Exilanten selbst oft versagt blieb. Das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig und das Deutsche Exilarchiv 1933 – 1945 der Deutschen Nationalbibliothek würdigen den Fotografen Fred Stein mit zwei Ausstellungen und einem begleitenden Veranstaltungsprogramm im Rahmen des Jahres der jüdischen Kultur in Sachsen (TACHELES 2026): Fred Stein. Der Mensch im Fokus – bis 31. Juli 2026 im Capa-Haus und der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig. Unter anderem wird ein Dokumentarfilm seines Sohnes Peter Stein gezeigt. (Autoren: Norbert Kron und Jens-Uwe Korsowsky)
- Freiheit der Kunst in Gefahr? Die kulturpolitische Front in Sachsen-Anhalt.
- Zwischen Megajacht und Machtpolitik – wie Amerikas Superreiche ihre eigene Welt bauen.
- "Nachbeben" – Packendes Film-Drama über Retten und Scheitern im Klinikalltag.
- Der Mann hinter den Ikonen: Erste Biografie des Exil-Fotografen Fred Stein.
Wiederholung
Mi, 29.04.2026 | 03:05 - 03:35