Weltspiegel
Tagesgeschehen (D 2026)
Westjordanland: Gewalt israelischer Siedler: Mitten in der Nacht haben die Siedler einen Stacheldrahtzaun auf dem schmalen Gehweg über den steinigen Hügel ausgerollt, berichten die palästinensischen Dorfbewohner. Seitdem ist der Fußweg zur Schule für die Kinder aus dem Dorf versperrt. Der Stacheldrahtzaun steht symbolisch für das, was für viele Palästinenser im Westjordanland mittlerweile Alltag ist: Schikanen, Einschüchterungen, bis hin zu Angriffen gewaltbereiter israelischer Siedler. Die Vereinten Nationen verzeichnen einen massiven Anstieg von Siedlerangriffen. (Sophie von der Tann, ARD Tel Aviv) / Sudan: Rückkehr nach Khartum: Drei Jahre nach Beginn des Krieges zwischen der sudanesischen Armee und der paramilitärischen RSF-Miliz kehren in Teilen Khartums erste Zeichen des Alltags zurück: Im Kulturzentrum von Omdurman proben Musiker und Schauspieler wieder zwischen Einschusslöchern und zerstörten Mauern. Für viele ist Kunst ein Zeichen des Widerstands gegen Gewalt und Hoffnungslosigkeit. Menschen wie Khalid al-Habboud, der während der Besatzung durch RSF-Milizen gefoltert wurde, engagieren sich heute für den Wiederaufbau des Zentrums. Doch die Rückkehr in den Alltag bleibt schmerzhaft. Im schwer zerstörten Wohnviertel Lamap kehren Familien in ihre Häuser zurück – oft nur, um Verlust und Verwüstung vorzufinden. (Ramin Sina, ARD Kairo) / Russland: Stillstand statt Surfen: Der Prozess der Abtrennung des Internets in Russland vom globalen Internet scheint im vollen Gange zu sein: Russland schränkt den Internetzugang immer weiter ein: YouTube-Videos sind praktisch nicht mehr aufrufbar, Anrufe per WhatsApp oder Telegram inzwischen nur noch mit so genannten VPNs möglich, also über eine verschlüsselte Verbindung. Und auch diese VPNs versucht Russland nun immer weiter einzuschränken. Für einige Exil-Russinnen und -Russen in Deutschland heißt das: ein neuer Eiserner Vorhang zwischen ihnen und ihren Liebsten in Russland. Der Frust wächst: Selbst Putin-treue Influencer:innen und Schauspieler:innen prangern die Internetsperren öffentlich an. (Silke Diettrich, ARD Moskau (zur Zeit in Köln)) / Spanien: Ein anderer Weg in der Migrationspolitik: Spaniens linke Regierung mit ihrem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez stellt sich in der Migrationspolitik gegen den europäischen Trend: mit der Legalisierung von grob geschätzt 800.000 MigrantInnen, die irregulär in Spanien leben. Sie können seit kurzem eine vorübergehende Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung beantragen, wenn sie vorstrafenfrei sind und zum Jahresende 2025 nachweislich mindestens fünf Monate im Land verbracht haben. So wie Lola Valdés de la Cerda aus Argentinien. Sie hofft, dass sie mit der Legalisierung endlich aus der Schwarzarbeit herauskommt und unter besseren Bedingungen legal arbeiten kann. Wie viele Migrantinnen aus Lateinamerika schlägt sie sich mit Putz- und Betreuungsjobs durch – kaum Freizeit, mies bezahlt. Wie läuft diese Legalisierung ab, profitiert die Wirtschaft wirklich und könnte Spanien auch Vorbild für Deutschland sein? (Kristina Böker, ARD Madrid) / Indien: Toxische Schönheit der Marmormülldeponie: Schweizer Schneelandschaft bei 42 Grad Celsius? Mitten in Rajasthan, nahe beim Zentrum der Marmorindustrie Indiens, ist aus Versehen eine Attraktion entstanden: die Marmormülldeponie von Kishangarh sieht aus wie eine Eiswüste – und besteht doch nur aus übriggebliebenem Marmorstaub. Diese extreme Schönheit lockt Blogger, Bollywood-Stars und Brautpaare an. In farbenfroher Kleidung posieren, tanzen und inszenieren sie sich, stecken die bloßen Füße in türkisblaue Wasserstellen. Doch diese Schönheit, so weiß wie Schnee, hat ein dunkles Geheimnis: Der feine Marmorstaub greift die Lungen an, das Grundwasser wird durch Schwermetalle und andere Giftstoffe verschmutzt. (Lena Bodewein, ARD Neu-Delhi) / Äthiopien: Leben auf Stelzen: Urmi ist ein Banna. Er ist einer von etwa 45.000 Menschen, die noch sehr ursprünglich leben im Südwesten Äthiopiens, fernab von Städten und Dörfern, mitten in den Bergen. Hier gibt es keinen Supermarkt, keinen Strom, kein fließendes Wasser. Der junge Mann lebt wie in alten Zeiten, zusammen mit seiner Familie, zusammen mit den Tieren. Gegessen wird, was auf den Feldern wächst, was die Kühe an Milch und Fleisch bieten. Um die Tiere zu hüten, setzt Urmi auf eine Tradition der Banna: das Stelzenlaufen, denn in dem hügeligen Gebiet können die Hirten ihr Vieh von oben viel besser hüten und schützen sich selbst vor Schlangen und Skorpionen am Boden. (Karin Bensch, ARD Nairobi) / Italien: Jugend im Knast? Regelmäßig kommt es in den großen Haftanstalten in Rom, Mailand und Neapel zu Aufständen. Denn Italiens Gefängnisse sind massiv überfüllt, die Zustände katastrophal. Im Schnitt nimmt sich alle drei Tage ein Häftling das Leben. Auch unter den Vollzugsbediensteten kommt es zunehmend zu Suiziden. 2025 waren erstmals nicht nur die Gefängnisse für Erwachsene überfüllt, sondern auch die Jugendhaftanstalten. Seit Amtsantritt der rechten Regierung Giorgia Melonis hat sich die Situation vor allem für Jugendliche und junge Erwachsene drastisch verschärft.(Verena Schälter und Alessandra Molinari, ARD Rom)
- Westjordanland: Gewalt israelischer Siedler.
- Sudan: Rückkehr nach Khartum.
- Russland: Stillstand statt Surfen.
- Spanien: Ein anderer Weg in der Migrationspolitik.
- Indien: Toxische Schönheit der Marmormülldeponie.
- Äthiopien: Leben auf Stelzen.
- Italien: Jugend im Knast?.
Wiederholung
Mo, 04.05.2026 | 04:45 - 05:30